Wie Erik-Ole lernt, keine blöden Sachen zu machen

Anti-Gewalt-Training beginnt im Kindergarten
VON JAN MÖNCH

AACHEN. Erik-Ole ist fast sechs Jahre alt. Und was er in den vergangenen zwei Wochen im Kindergarten gelernt hat, das fasst er so zusammen: "Keine blöden Sachen zu machen." Blöde Sachen? "An den Haaren ziehen, schlagen, jemanden beleidigen."

Wie man so etwas vermeidet, das haben neben Erik-Ole auch andere Kinder aus dem Integrativen Familienzentrum Schikita gelernt. Und zwar von der Pädagogin Renate Schmitz-Gebel, die mit ihrem Präventionsprogramm "Ich-Du-Wir ohne Gewalt" zwei Wochen lang für zwei Stunden pro Tag in die Scheibenstraße gekommen ist.

Als nächstes sind die unweit gelegene Kita St. Josef, das Montessori-Kinderhaus St. Fronleichnam sowie das Familienzentrum St. Barbara an der Reihe - um das Programm finanzieren zu können, haben die vier katholischen Einrichtungen sich zusammengeschlossen.

Die Kinder lernen, was Erik-Ole und die anderen Vorschulkinder aus der Scheibenstraße jetzt schon wissen: Nämlich dass es mehr Spaß macht, gemeinsam zu spielen als zu streiten. Und dass es auch ganz schön blöd ist, andere auszulachen. Situationen wie diese wurden in Rollenspielen aufgegriffen. Und weil die Kinder aus der Schikita noch nicht lesen und schreiben können, wurde alles fotografisch dokumentiert.

Zum Beispiel wie Ashley und Mohamed, beide fünf Jahre alt, den sechs Jahre alten Ernte auf einer Bank balancieren lassen. Ernte hat die Augen verbunden, darum müssen Ashley und Mohamed ihn an den Händen halten und die richtigen Kommandos geben."Eine Vertrauensübung", sagt Schmitz-Gebel.

Früh gegensteuern

Was niedlich klingt, hat einen ernsten Hintergrund: "Hier im Viertel gibt es leider viel Gewalt", weiß Erzieherin Ursula Bindels. Und direkt oder indirekt seien viele der Kinder damit konfrontiert. "Darum ist es wichtig, schon im Mndergarterialter gegenzusteuern." Und nicht erst in Grundschulen, die Renate Schmitz-Gebel sonst überwiegend besucht.

Ein sechsjähriger Junge bestätigt die Worte ungewollt. "Ich besiege hier alle Kinder", erzählt er, als ginge es darum, wer am schnellsten rennen oder am weitesten springen kann - gemeint ist aber, dass er am besten kämpfen kann. "Zaubern kann ich natürlich nicht", sagt Renate Schmitz-Gebel. "Aber es ist wichtig, mit kleinen Punkten anzusetzen."

Aachener Zeitung, 05.05.2010

Kinder aus dem Integrativen Familienzentrum Schikita
"Ich Du Wir ohne Gewalt": Die ersten Vorschulkinder haben das Präventionsprogramm bereits durchlaufen. Foto: Martin Ratajczak