Hilflosigkeit gegen Gewalt auflösen

Tandem-Projekte in allen Stadtbezirken
HAGEN: (-MW-)

Sie begrüßen sich mit einem Rempler, raunzen ein „Na, du Penner!" hinterher und holen gleich zum Fausthieb aus, wenn der so Angesprochene womöglich zurück pöbelt. Mit einem neuen Gewaltprojekt an Hagener Schulen versucht die Stadt jetzt diesen Entwicklungen entgegenzusteuern.
Mit der über ein Jahr laufenden Reihe „Ich - Du - Wir - Ohne Gewalt" will die Regionale Arbeitsstelle für ausländische Kinder und Jugendliche (RAA) den Hagener Schulen ein Rahmenkonzept an die Hand geben, wie an Schulen präventiv gegen das Aufkommen von Gewalt vorgegangen werden kann.
„Es ist ein Angebot, um die Hilflosigkeit gegen Gewalt aufzulösen", beschreibt die Aachener Dozentin Renate Schmitz-Gebel ihren Ansatz. In allen fünf Hagener Stadtbezirken möchte sie Tandem-Projekte anstoßen, die als Anschauungsobjekte für alle weiteren Schulen dienen könnten. Zunächst sollen an weiterführenden Schulen jeweils 15 bis 20 Mädchen und Jungen eines Jahrgangs gecoacht werden, nicht nur eigene Stärken und Kompetenzen herauszuarbeiten, sondern auch kommunikativ fit gemacht werden, gegen Gewalt vorzugehen und Mitschüler zu einem friedfertigerem Miteinander zu bewegen.
In einem weiteren Schritt - und hier greift der Tandem-Effekt - sollen diese Schüler ihr Wissen auch in Grundschulen tragen, um bereits die Kleinen mit dem Projekt-Ethos vertraut zu machen: „Durch dieses Schlüpfen in die Lehrerrolle wird das Selbstwertgefühl der Jugendlichen zusätzlich gestärkt", setzt Projektleiterin Renate Schmitz-Gebel - besonders auf Erfahrungsaustausch und Impulsgebung zwischen den Schulen.
„Das Projekt ist lebendig und verändert sich mit den Menschen, die daran arbeiten", hofft RAA-Koordinatorin Petra Ehrlicher auf engagierte Begleitung durch die Lehrer. „Der Ansatz ist nicht als Eintagsfliege gedacht, sondern nachhaltig verankert", hofft Renate Schmitz-Gebel bei der Projektpräsentation am Mittwoch, 15. November, von 13 bis 16 Uhr im Ratssaal darauf, dass viele Schulen sich von der Methode begeistern lassen. Für das erste Jahr sind die 5000 Euro des Landes bereits gesichert. Für ein weiteres Jahr, so die ersten Signale, sollen ebenfalls "Fördergelder: fließen. Weil Prävention immer noch billiger ist als Deeskalationsprojekte.

WESTFALENPOST, 04.11.2006

Petra Ehrlicher, Renate Schmitz-Gebel, Kemal Ertan, Uwe Kühn und Veljovíc Vitomirka präsentieren "Ich-Du-Wir - Ohne Gewalt" T-Shirts
Wollen mit einer neuen Projektidee gegen die Gewalt an Schulen vorgehen (v.li.): Petra Ehrlicher, Renate Schmitz-Gebel, Kemal Ertan, Uwe Kühn und Veljovíc Vitomirka. Foto: Michael Kleinrensing