Bunte Botschaften gegen Gewalt.

Würselner Hauptschüler trainierten mit Grundschülern das Verhalten bei Konflikten. Motto „Ich-Du-Wir“ warb für Verständigung

VON UNSEREM MITARBEITER STEFAN SCHAUM

WÜRSELEN. Die vielen hübschen und bunten Handabdrücke auf dem großen Stofftuch sind auch ein Versprechen. Ein Versprechen, bei Konflikten auf dem Schulhof oder im Klassenzimmer künftig stets respektvoll und friedlich mit dem Gegenüber umzugehen.
Das gemeinsame Kunstwerk markiert den Abschluss eines ganz besonderen Projektes: „Ich - Du - Wir - Ohne Gewalt". Unter diesem Motto haben sich die 22 Schüler der Klasse 4b der Scherberger Grundschule eine Woche lang mit den Themen Gewalt und Rassismus befasst. Allerdings nicht mit ihren Lehrern. Die wurden während des Projektes durch Schüler der neunten Jahrgangsstufe der Würselener Gemeinschaftshauptschule vertreten. Die jugendlichen Besucher hatten sich gut auf ihre anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet. Im Dezember hatten sie das einwöchige Projekt der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) bereits durchlaufen. Daran hatten an der Hauptschule alle Neuntklässler teilgenommen. 15 Schüler erklärten sich darüber hinaus bereit, ihr neues Wissen auch an andere weiterzugeben.

Nicht bloß verbal

Eine davon ist die 16-jährige Sabrina Jötting. „Reden ist besser als schlagen", sagt sie. Freilich wisse sie das nicht erst seit seit der Projektzeit, doch hätten die vielen Rollenspiele zum Thema Konflikt und dessen künstlerische Aufarbeitung in Bildern und kleinen Theaterstücken sie und ihre Mitschüler in dieser Ansicht bestärkt.
Sie hat Gewalt auf dem Schulhof erlebt, des öfteren geraten dort Hitzköpfe aneinander und tragen ihre Streitigkeiten mitunter nicht bloß verbal aus. „Seit dem Projekt ist das in unserer Jahrgangsstufe auf jeden Fall viel besser geworden", freut sich Sabrina. Auch fielen seitdem deutlich weniger Schimpfwörter „und der Respekt vor Lehrern ist gewachsen". Gelernt hat sie im Projekt auch, dass ein gesundes Selbstwertgefühl dazu beiträgt, bei einem Streit einen kühlen Kopf zu bewahren.

In mehreren Sprachen

Ihre Erkenntnisse haben Sabrine und ihre Mitschüler den Grundschülern kindgerecht nahe gebracht. „Die haben mit uns schöne T-Shirts gemalt", freut sich Thomas Becker (10). Das war für ihn einer der Höhepunkte. Und natürlich, „dass sich die Großen überhaupt um uns jüngere gekümmert haben, das hat viel Spaß gemacht". Gewalt mag er gar nicht leiden. „Ich finde das nicht schön, wenn sich bei uns welche hauen."
Auf den neuen T-Shirts der Kleinen steht das Projektmotto meist in mehreren Sprachen. Das „Ich –Du - Wir" trägt der zehnjährige Cundullah auf Deutsch, Türkisch und Italienisch vor der Brust. Kinder aus vielen Nationen besuchen die Grundschule. „Es ist wichtig, möglichst früh möglichst viel über die Herkunft des anderen zu erfahren, um einen vorurteilslosen Umgang miteinander zu fördern." Denn auch Vorurteile bergen Konfliktpotenzial. RAA-Mitarbeiterin Renate Schmitz, die vor einigen Jahren die Idee zu diesem Projekt hatte, weiß aus Erfahrung, dass Grundschulen dafür eine gute Basis sind.

Das Projekt haben die Schüler mit Fotos dokumentiert und viele Bilder dazu gemalt. Die sind noch eine Woche lang im Würselener Rathaus zu sehen. Bürgermeister Werner Breuer zeigte sich zur Ausstellungseröffnung angetan von den Ergebnissen. „Miteinander über Sorgen und Ängste reden - das fehlt in unserer Gesellschaft häufig", bemerkte er, „es ist schön, dass ihr ein ganz anderes Zeichen setzt". Für die Hauptschüler hatte der Verwaltungschef besondere Urkunden parat. Die bescheinigten ihnen, dass sie das Projekt an der Grundschule selbstständig geleitet haben. Renate Schmitz: „Diese Urkunde können sie ihren Bewerbungen beilegen." Das könne lohnen. „Mögliche Arbeitgeber schätzen solches Engagement durchaus."

Aachener Nachrichten, 25.05.2005

 

Die Schüler der Klassen 9a und 9c der Hauptschule trainierten mit den Grundschülern aus Scherberg ein gewaltfreies Miteinander.
Das Banner mit dem Projektmotto haben die Haupt- und Grundschüler gemeinsam gestaltet. Foto: Stefan Schaum