Die Muschel als Symbol gegen die Gewalt.

Bemerkenswertes Projekt zur interkulturellen Gewaltprävention von St. Leonhard, KKG und der Schule am Kennedypark

AACHEN. Ganz neue Wege beschritten drei Aachener Schulen in einem wegweisenden Kooperationsmodell: St. Leonhard, das Kaiser-Karls-Gymnasium und die Schule am Kennedypark setzten ein Projekt zur'' interkulturellen Gewaltprävention um. Das von Renate Schmitz -entwickelte Projekt stieß bei der Lehrerin von St. Leonhard, Mechthild Schulte, auf so großes Interesse, dass sie es im gemeinsamen Leistungskurs Pädagogik von St. Leonhard und KKG umsetzte. „Die Zielsetzung ist, ein gewaltfreies Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe und Religion einzuüben", erklärte Kristina Latz, die am Kurs teilnahm. Als Kooperationspartner wurde eine dritte Klasse der Schule am Kennedypark gewonnen, wo man sich um Kinder mit besonderen Lernschwierigkeiten kümmert. In einem Klima der Toleranz und gegenseitigen Wertschätzung sollten Kinder lernen, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Den Jugendlichen ermöglichte das Projekt wichtige Erfahrungen für die spätere Berufswahl.
Bei einem gemeinsamen Geländespiel wurden erste Eindrücke gesammelt und es wurde Vertrauen gewonnen. Jeder Unterrichtsstunde wurde ein Schwerpunktthema zugeordnet. Beim Thema „Ich" ging es beispielsweise um die Stärkung des Selbstwertgefühls, die Darstellung eigener Fähigkeiten förderte das eigene Selbstbild. Das Thema „Du" förderte die Kommunikation innerhalb der Klasse, „Wir" die Kooperation und Konfliktlösung.
„Wir wollten ausprobieren, wie Zusammenleben besser funktionieren kann. Die Kinder sollten paarweise ein Gesicht von einer Person malen, die Gewalt erfährt. Sie verständigten sich zum Beispiel durch Gesten, dass diese Person traurig ist und weint. Diese Übung stärkte das Gruppenklima und bestätigte, dass man sich auch ohne Worte verständigen kann", erzählt Kristina Latz vom weiteren Verlauf des Projektes. Alle Teilnehmer hätten festgestellt, dass man ohne Gewalt glücklicher und freundlicher sei.
Beim letzten Thema „Ohne Gewalt" sollten die Kinder auf ausgeschnittene Pappfüße schreiben, was sie sich von ihrer Klasse im Umgang miteinander wünschten. Die Füße wurden als Weg an die Wand geklebt, als Ziel formulierten alle schließlich gemeinsame Wünsche.
Zum Schluss bekamen die Kinder eine Urkunde für die erfolgreiche Teilnahme an dem Projekt und eine kleine Schmuckdose mit einer Muschel als Zeichen für ein gewaltfreies Leben. Die Leistungskursler hoffen, auch andere Jugendliche animieren zu können, sich für die Gewaltprävention einzusetzen.

Aachener Zeitung, 04.11.2004