Das Interview der Woche: Aktiv gegen Rassismus und Gewalt.

Renate Schmitz ist Leiterin des Projekts „Ich - Du - Wir - Ohne Gewalt" bei den Regionalen Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA).
Frau Schmitz, das von ihnen entwickelte Projekt wendet sich an Schüler und Lehrer gleichermaßen, es bietet Handlungsalternativen gegen Gewalt und Rassismus. Was heißt das im Klartext?
R. Schmitz: Das Projekt besteht, wie der Titel schon sagt, aus vier Schritten: „Ich" ist der erste. Dabei geht es um die Förderung des Selbstwertgefühls. „Du" ist der zweite
Schritt, bei dem Kommunikation im Vordergrund steht. Beim dritten
Schritt „Wir" geht es um Kooperation. Vierter und zugleich auch wichtigster Schritt ist „ohne Gewalt". Ziel ist es, Konflikte ohne Gewalt zu lösen. Jeder dieser Schritte umfasst vier Stunden.
Wie sind Sie auf dieses Projekt gekommen?
R. Schmitz: Viele Jahre habe ich mich wissenschaftlich mit Rechtsextremismus und Rassismus beschäftigt. Das alles nur zu sammeln und zu analysieren war mir einfach zu wenig. Ich bin so von der Theorie zur Praxis gekommen.
In der Hauptschule Kronenberg läuft gerade ein Pilotprojekt. Kann man nach einem halben Jahr schon Bilanz ziehen?
R. Schmitz: Zunächst einmal hat das Projekt den Jugendlichen großen Spaß gemacht. Sie sind sehr verantwortungsvoll damit umgegangen. Es war so angelegt, dass sie dieses Projekt zusammen mit den Kindern der benachbarten Grundschule durchgeführt haben. Als sehr positiv hat sich erwiesen, dass die Jugendlichen quasi dabei auch einmal in die Lehrerrolle gegangen sind. Die Schüler waren sehr motiviert und aufmerksam. Das war schon ein großes: Erfolgserlebnis.
Warum der Start ausgerechnet in einer Hauptschule?
R. Schmitz: Das Projekt ist darauf angelegt, dass es einheimische und besonders auch zugewanderte Jugendliche im Übergang von Schule und Beruf fördern soll. In den Hauptschulen Kronenberg und Aretztstraße sind viele zugewanderte Jugendliche, so dass die Förderrichtlinien dort genau zutreffen. Außerdem sind das zwei Schulen, die seit Jahren aktiv gegen Rassismus und Gewalt arbeiten. Außerdem gebe ich das Projekt jetzt auch in ganz Nordrhein-Westfalen weiter.
Sind weitere Aktionen oder Projekte zur interkulturellen Gewaltprävention geplant?
R. Schmitz: In Aachen ist am 8. Juli eine Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer geplant, die sich selbst daran machen möchten, dieses Projekt umzusetzen. Des weiteren auch in ganz NRW. Außerdem beobachten wir genau, wie sich die Ansätze weiter entwickeln.
Dann hat das Qualifizierungsangebot also oberste Priorität?
R. Schmitz: Besonders auch deshalb, weil dadurch eine optimale Verbreitung gewährleistet ist. Ich stelle gerne mein Know-how und die gesamte Konzeption zur Verfügung.

Das Gespräch führte Hans Creutz.

Super Mittwoch, 07.05.2003