Von den „Großen“ viel gelernt.

„Ich-Du-Wir-Ohne Gewalt“ – Pilotprojekt an der Hauptschule Kronenberg.

Von Nachrichten-Mitarbeiterin Maria Pakura
Aachen. Gewalt keine Chance geben, der kulturellen Vielfalt dagegen wohl - das ist die Maxime des Projekts „Ich - Du - Wir - Ohne Gewalt" der RAA, das an der Haupt- und an der Grundschule Kronenberg erstmals durchgeführt wurde.
Dabei schlüpfen Jugendliche in die Rolle von Gewaltpräventoren und erarbeiten an vier Vormittagen mit Grundschülern neue, friedliche Perspektiven auf ein Miteinander. Die Idee zu diesem Projekt stammt von Renate Schmitz, Mitarbeiterin der Regionalen ,Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwanderungsfamilien in NRW (RAA). Und da Schmitz aus Aachen kommt, hat sie die ersten „Gehversuche" ihres Gewaltpräventionsprojektes an der Hauptschule Kronenberg stattfinden lassen.
Den rund 30 Schülern der Klasse 10B von Klassenlehrer Fritz Korr wurde frei gestellt, ob sie in die vierte Grundschulklasse gehen wollten und mit den Kindern dort an den Themengebieten Selbstbild, Kommunikation, Kooperation und Gewaltprävention arbeiten. 15 Jugendliche haben sich mit einem klaren „Ja" dafür entschieden.
Das unmittelbare Fazit kurz vor Abschluss der etwas anderen Unterrichtstage: „Frau Günter, können die Großen nächstes Jahr wieder zu uns kommen?", fragt Anna (10) ihre Klassenlehrerin. Eine Frage, in der sich widerspiegelt, was sich schon nach dem ersten gemeinsamen Tag erwiesen hatte: „Die Kinder sprechen sehr gut auf die Jugendlichen an, nehmen von den Zehntklässlern thematisch eher etwas an als von den Lehrern, weil sie die Großen auch bewundern', berichtet Monika Günter, Klassenlehrerin der 26 Viertklässler der Grundschule Kronenberg. „Und die Jugendlichen haben einen ganz anderen, neuen Zugang zu den Themen, finden sich plötzlich in einer Lehrer- und Vorbildrolle wieder", weiß Schmitz.
Zudem habe die Teilnahme an dem Projekt einen positiven Einfluss auf spätere Bewerbungen, weil die Jugendlichen eine Bescheinigung als Gewaltpräventoren bekommen, die soziale Kompetenzen ausweist und somit als Nachweis einer Zusatzqualifikation dient. „Es hat auf jeden Fall etwas gegeben, wir verstehen uns jetzt auch untereinander besser', beteuert Candis (16). „Wir wollten mitmachen, um andere dazu zu bekommen, ohne Gewalt zu leben - und haben selbst viel dabei gelernt", pflichtet ihre Klassenkameradin Suad (17) ihr bei. Und Franz (17) ist nicht der Einzige, der sagt: „Wir würden sofort noch mal mitmachen!"
Aber auch die „Kleinen" haben ein tieferes Bewusstsein für alltägliche Probleme bekommen: „Im Moment ist viel Gewalt auf der Welt, da muss man etwas dagegen tun", betont Anna.
Also hat das Projekt sein Ziel erreicht und doppelt positiv gewirkt.

Aachener Nachrichten, 23.12.2002

Die älteren Jugendlichen wirkten als "Gewaltpräventoren" bei ihren Schulkameraden in der vierten Klasse der Grundschule Kronenberg. Foto: M. Ratajzek
Die älteren Jugendlichen wirkten als "Gewaltpräventoren" bei ihren Schulkameraden in der vierten Klasse der Grundschule Kronenberg. Foto: M. Ratajzek