Ein Tag unter dem Motto „Ich-Du-Wir“.

Fest an der Grundschule Passstraße: Vorurteile entdecken und dagegen vorgehen

„Ich - Du - Wir - Halt! - Ohne Gewalt!" ist der Zauberspruch der 4. Klassen der Grundschule Passstraße, der sogar schon auf dem Pausenhof Einzug gehalten hat. AZ-Mitarbeiterin Christina Leufgens hat die Umsetzung beim Schulfest beobachtet.

Aachen. Mittlerweile liegt es bereits ein halbes beziehungsweise ein Jahr zurück, dass die Schüler der Klassen 4a und 4b an dem gleichnamigen interkulturellen Gewaltpräventionsprojekt unter Leitung von Renate Schmitz in Zusammenarbeit mit der RAA Stadt Aachen (Regionale Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien) teilgenommen haben. Sowohl die Kinder als auch die Klassenlehrerin der 4a, Trude Gemünd, und die Schulleiterin und Klassenlehrerin der 4b, Maria Keller, haben damals vier Tage begeistert an dem Thema gearbeitet. Jetzt war wieder mächtig was los in der Grundschule, denn die Arbeit soll auch in der Zukunft Früchte tragen. Deshalb starteten die Schüler durch die Initiative von Maria Keller eine Kunstaktion mit den Künstlerinnen Mele Brink und Hildegard Zieger. Im Hinblick auf den heran nahenden Schulwechsel liegt es den Kindern am Herzen, sowohl ein sichtbares Zeichen für die Grundschule zu hinterlassen, als auch die gemachten Erfahrungen an neue Mitschüler weiterzutragen.
Damals haben die Kinder jeweils einen Tag zu den Themen Ich, Du, Wir und Ohne Gewalt gearbeitet. Dabei wurde viel mit einfachen Symbolen wie Händen und Füßen gearbeitet. Beide Klassenräume sind jetzt mit bunt gestalteten Ergebnissen geschmückt. Am „IchTag" stand die Stärkung des Selbstbewusstseins im Vordergrund. Jeder sollte sich die eigenen Stärken bewusst gemacht. Dagegen wurden am „Du-Tag" die Stärken der anderen herausgearbeitet, um das bessere Kennenlernen und den Respekt vor dem anderen zu fördern, so dass eine vertrauensvolle Lernatmosphäre entstehen kann. Der „Wir-Tag" diente dazu, Gemeinsamkeiten und Vorurteile innerhalb der Gruppe zu entdecken. Anschließend wurden Klassenregeln und Grundregeln im Umgang mit Gewalt zusammen überlegt und schriftlich festgehalten. Für jeden sichtbar hängen diese seitdem an einer Wand des Klassenzimmers.
Jetzt bastelten die Schüler in der Kunstaktion lange Banner, auf denen sie selbst gebastelte Hände aufgeklebten. Aneinander fassende bunte Hände verdeutlichen sowohl interkulturelles Denken als auch Zusammenhalt. Gut sichtbar haben sie diese an den Treppenstufen ihrer Schule befestigt, um ihre Mitschüler immer wieder an den Zauberspruch zu erinnern. Als Geschenk für ihre neuen Banknachbarn in der weiterführenden Schule wurden Karten gebastelt: Auf einer Seite wird das Projekt beschrieben und auf der andern durch die Symbolik einer Hand, in die jeder Schüler sein Gesicht gemalt hat, verdeutlicht.
Bereits mehrfach hat Renate Schmitz dieses Projekt mit Aachener Grundschulen gemacht. Derzeit wird es an einer Hauptschule erprobt.

Aachener Zeitung, 05.07.2002

Die Jungen und Mädchen von der KGS Passstrasse, Aachen, 2003
Sie haben sich entschieden: Die Jungen und Mädchen von der Passstrasse beziehen Position. Foto: Kurt Bauer