Kinder fordern "Halt der Gewalt".

Projekttage an der Beeckstraße stellen klar: „Schlagen bringt nichts

Von Sabine Rieck

Aachen. Wie wichtig Frieden und Freundschaft in der Schule sind, betitelt der neunjährige Kevin aus der Grundschule an der Beeckstraße, denn „man soll ja nicht jeden Tag mit blauen Flecken nach Hause kommen". Nicht nur mit blauen Flecken, sondern grundsätzlich mit Gewalt und Kriminalität setzte sich die 4. Klasse der Grundschule Beeckstraße vor den Sommerferien in vier Projekttagen auseinander. In der interkulturellen Klasse, die sich aus zehn Nationen zusammensetzt, thematisierte Renate Schmitz mit den Kindern das interkulturelle Gewaltpräventionsprojekt „Ich-DuWir Ohne Gewalt", das schon an zahlreichen Schulen Anklang fand. Selbstwertgefühl, Kommunikation, Kooperation und Konfliktlösung stehen nicht leer im Raum, denn die Kinder lernten diese Begriffe durch aktive Teilnahme und Zusammenarbeit in der Klassengemeinschaft kennen.
Nun wurde gemeinsam mit Klassenlehrer Johannes Menne nach Monaten das Ergebnis der Projekttage reflektiert, Erfolge und Misserfolge wurden diskutiert. Denn den Kindern werden Impulse vermittelt, die Verantwortung für die Entwicklung von Verhaltensregeln wird ihnen gegeben, so Projektleiterin Schmitz. Der zehnjährige Marc sieht durchaus Fortschritte durch das Projekt: „Unsere Klasse hat sich geändert, aber die anderen Klassen streiten sich noch immer, dabei bringt Schlagen überhaupt nichts." Auch klassenübergreifend wird derzeit an der Beeckstraße versucht, Gewalt zu vermeiden, indem die geschulten Viertklässler mit den Erstklässlern zusammen unterrichtet werden. Die Resonanz, die Renate Schmitz erhält, ist enorm, denn Sprüche wie „Frau Schmitz, besuchen Sie uns bald wieder" und zahlreiche Briefe der Kinder, die ihr schreiben, zeigen Akzeptanz und Anklang des Projektes bei den Kindern. Leider fehlen weiterhin finanzielle Mittel, die diese Präventionsmaßnahme langfristig an Aachener Schulen gewährleistet, obwohl die Nachfrage überregional gegeben ist.
1998 begann Renate Schmitz als studierte Germanistin, Kunsthistorikerin und geschulte Deeskalationstrainerin erstmalig das Projekt im Auftrag der Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA).
Es sollte „nicht als Problembewältigung, sondern als Chance des Perspektivwechsels von Gewalt" gesehen werden. Nicht nur im Unterricht bei Grundschülern, sondern auch in Lehrerfortbildungen wurde das Präventionsprojekt vorgestellt. An vier aufeinanderfolgenden Tagen wird je ein Aspekt des Mottos „Ich – Du – Wir - Ohne Gewalt" aufgegriffen. So wird am ersten Tag das „Ich" behandelt und durch Selbstporträts und Eigendarstellung das Selbstwertgefühl jedes einzelnen Teilnehmenden gestärkt. In der Gruppe wird gemeinsam erarbeitet, wo Gewalt anfängt und wie sie vermieden werden kann. Am letzten Projekttag werden in Gemeinschaftsarbeit Regeln für den Umgang mit Mitschülern aufgestellt, die mit der Unterschrift jedes Klassenmitgliedes als Vertrag gültig werden.

Aachener Zeitung, 25.09.2000

Die Kinder der Grundschule an der Beeckstraße mit Renate Schmitz-Gebel  Foto: Martin Ratajczak Aachen 2000
Sie sagen eindeutig "Halt der Gewalt": die Kinder der Grundschule an der Beeckstraße betreiben mit Renate Schmitz-Gebel Konfliktforschung und -vermeidung. Foto: Martin Ratajczak