Zeichen gegen Gewalt.

Renate Schmitz, 39, trainiert Grundschüler in Sachen Friedfertigkeit

Aachen (azu). Sie fühlt sich als Kämpferin gegen die alltägliche Gewalt, meistens als Einzelkämpferin. Denn mit ihrem Projekt zur Prävention von Gewalt an Grundschulen erntet Renate Schmitz zwar viel Zuspruch, trotzdem bleiben die Einsätze an den Schulen rar.
Auf der einen Seite werden in Deutschland Ausländer - manchmal bis in den Tod - geprügelt. Andererseits ist für Projekte, die ansetzen, bevor Gewalt entstehen kann, kein Geld da. Ein Zustand, der Renate Schmitz auf die Palme bringt. Vor allem dann, wenn einer den Vorwurf erhebt, es gäbe nicht genug Initiative gegen rechte Gewalt.
"Die gibt es sehr wohl, nur will sie keiner bezahlen", sagt die studierte Kunsthistorikerin und Germanistin, die im Bereich Rechtsextremismus forschte und zusätzlich als Deesakalationstrainerin, wie es in der Fachsprache heißt, ausgebildet ist.

Irgendwann hatte sie den Impuls, ein Projekt für Kinder zu entwickeln. Das hat sie dann getan und mittlerweile zwölf Klassen in Sachen Friedfertigkeit unterrichtet.
"Ich-Du-Wir-Ohne Gewalt" heißt ihr Training, das Kinder so stark machen soll, dass sie auf Gewalt verzichten können. Dabei sind ihr die spielerischen, kreativen Elemente wichtig.

An vier Schultagen basteln sich die Kinder buchstäblich ihr Selbst, untersuchen Kartoffeln nach ihrer Gleichheit oder auch Andersartigkeit oder lernen das Motto „Ich-Du-Wir-Ohne Gewalt“ in allen Sprachen, die in der Klasse vertreten sind. So sollen die Rollen vertauscht werden. "In der fremden Sprache fühlen sich dann plötzlich die sicher, die sonst immer unsicher sind", erklärt die 39-Jährige den Sinn der Übung. Schließlich setzen Kinder und Lehrer gemeinsam eine Art Vertrag für den Frieden auf, den alle unterschreiben. Da steht dann zum Beispiel drin, dass man sich gegenseitig helfen sollte, oder umgekehrt, dass man sich nicht prügeln darf. "Die Kinder fühlen sich verantwortlich, wenn sie die Regeln selbst aufgesetzt haben", hat Renate Schmitz gelernt.

Langfristige Wirkung
Dass bei den Kindern auch langfristig etwas hängen bleibt, damit hat Renate Schmitz weniger gerechnet. Aber die Reaktionen der Kinder belehren sie eines Besseren: "Die malen mir auch heute noch Bilder und schreiben Briefe, und auch die Lehrer erzählen mir, dass die Gemeinschaft sich nachhaltig verändert hat."
Finanzierung ist noch nicht sicher
Renate Schmitz arbeitet mit dem Verein zur Förderung von Kindern und jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) und dem Sozialwerk Aachener Christen zusammen. Das Projekt "Ich – Du – Wir - Ohne Gewalt" wurde vor zwei Jahren vom Jugendhilfeausschuss und im vergangenen Schuljahr vom Jugendförderungswerk der Sparkasse Aachen bezahlt. Die Finanzierung für das laufende Schuljahr ist noch nicht gesichert. Ansprechpartnerin für das Projekt ist Renate Schmitz.

Aachener Zeitung, 22.09.2000

Ihr Projekt setzt dort an, wo Gewalt entstehen kann: Renate Schmitz geht in die Grundschulen und erarbeitet dort mit den Kindern spielerisch Regeln, die die Gemeinschaft - auch interkulturell - fördern. Foto: Harald Krömer Aachen 2000
Ihr Projekt setzt dort an, wo Gewalt entstehen kann: Renate Schmitz geht in die Grundschulen und erarbeitet dort mit den Kindern spielerisch Regeln, die die Gemeinschaft - auch interkulturell - fördern. Foto: Harald Krömer